Dr. Heidt und die Vegetarierwurst

(für libelle)

Ein Metzger bittet Dr. Heidt
um eine ganz spezielle Site.
Noch dieses Jahr soll ihm gelingen,
die Teewurst, völlig ohne Pelle,
als König der Geschäftsmodelle,
frisch auf den deutschen Tisch zu bringen.

Geschmacklich leicht in Richtung Leber,
so schwärmt der neue Auftraggeber,
sei das Produkt ein Hochgenuss.
Und da die Fertigung am Ende
im Grunde auch kein Fleisch verwende,
für Vegetarier ein Muss.

Heidt bittet höflich seinen Kunden,
in dessen Auftrag ein paar Stunden,
das Marktsegment zu eruieren.
Die Wurst, die fleischfrei, ohne Haut
auch Vegetarier erbaut,
will er zudem auch gern probieren.

Prompt liefert tags darauf die Post
in PVC geschweißte Kost,
die, reichlich mit Aspik bedeckt,
nach Öffnen herben Dunst verbreitet,
der zum Erbrechen mehr verleitet,
und keinesfalls nach Leber schmeckt.

Kaum von dem Schreck erholt, da tutet,
als hätte er es schon vermutet,
das Telefon. Man hört den Kunden:
„Noch mehr wird uns Gehör verliehen,
mit Wurst ganz ohne Kalorien!“
Man hätte sie nun neu erfunden.

Heidt muss sich, noch benebelt, sammeln,
beginnt dann von Aspik zu stammeln
von Brei im Mantel und er brüllt:
„Sie haben sie bereits entdeckt.
Die Wurst, die nach Enthaltung schmeckt
und damit gleichen Zweck erfüllt.“

„Ich soll mal innehalten.“ Bist Du taub?

„Ich soll mal innehalten.“ Bist Du taub?
Ich habe nicht die halbe Welt bereist,
um Spaß zu haben, wie Du ja wohl weißt.
Da gibt es Sachzwang, Kohle, mit Verlaub:

Es muss hier irgendwie doch weitergehen.
Das Gästehaus, der Garten, sieh Dich um.
der Bienenstock mit allem Drum herum.
Das kostet Geld. Das muss man einfach sehen.

Wie? Meine Frau? Es geht ihr prächtig!
Ich habe ihr ein Paradies erbaut.
Ich habe ihr den größten Traum erfüllt.

Ich habe jahrelang mich mächtig
ins Zeug gelegt – nur auf ihr Wohl geschaut.
Und werd zum Dank jetzt von Dir zugemüllt.

Da stehst Du nun, ich muss mich dran gewöhnen

Da stehst Du nun, ich muss mich dran gewöhnen,
und passe auf, dass Du nicht wieder fällst,
auf Deinem Weg das Gleichgewicht behältst.
Nichts weißt Du mehr von Deinen Töchtern, Söhnen.

Uns Kindern, denen Du die Welt erklärtest,
uns bleiben Drohgebärden, wirre Zeichen,
Signale, die uns nicht wie sonst erreichen.
Wir hören jetzt, wie Du erneut verhärtest.

Wie damals fast, es war nicht immer witzig.
Wir wagten oft nicht, uns vom Fleck zu rühren.
Im Rückblick war da Angst mehr als Respekt.

In Deine wachen Augen schauend sitz ich
Dir gegenüber und versuch zu spüren,
was zwischen Dir und mir an Nähe steckt.

Weihnachtsprioritäten

Zwei Apotheker, die zu Weihnachten
über Geschäft und Arznei wachten,
vernahmen manchen Kunden weinen,
ob kleiner Wunden. Keinen
der zwei wollt man beneiden.
War keine Wonne. Beiden
wurd klar, es braucht die Wende.
Denn Leben ist nicht Dividende.
Und heute über Fieber leiern?
Da gingen sie doch lieber feiern.

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