Krankenhausgeschicke

Ein Mensch, der heut‘ als Arzt bereit
zu jenem weltberühmten Eid
trotz Nachtarbeit und Dauerstress
drei Finger für Hippokrates
für and’rer Menschen Leben
mit Überzeugung hoch zu heben

verdient Respekt, wenn man bedenkt
dass Krankenhausgeschicke lenkt
wer sich Prof. Dr. schimpft
der erst einmal den Nächsten impft
der weiter unten aufgelistet
als Oberarzt sein Dasein fristet.

Doch heisst’s für den nicht Kasten schwitzen.
Lässt man den Anschiss auf sich sitzen?
Mitnichten Eure Eminenz.
Wozu gibt es denn Assistenz?

Der Assistenzarzt, lang gemacht
hält es derweil für angebracht
die nächste Chance nicht zu verpassen
den Frust an jenem aus zu lassen
der – meistverantwortlich für Fehler –
hinhalten muss als AIP’ler.

„Du Arschloch“, denkt der, „Zapperlott!
Hey komm mal her PJ!
Das soll ’ne Anamnese sein
und du trägst hier Befunde ein?“

So geht es bis zum Hilfsarbeiter
auf schmieriger Hierarchenleiter.

Was soll man machen? Stelle wechseln
um neu beginnend rumzuhechseln?

Nein: anderswo die gleiche Krise
„Mit oder Shit“ heisst die Devise.

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Entscheidung

Seit kurzem sagt Herr Meier sich:
„Ich halt‘ die alte Leier nich‘
mehr aus und muss was ändern.
Nur modellieren, tracen, rendern
ist doch ein Job für Idioten
Was hat man mir bis jetzt geboten?

Als Macher ist man heute leider
verdammter Spielball der Entscheider.“

Doch ist Herrn Meier, wenn er sich
nur vorstellt den Entscheidertisch
in aller Herren Ländern
am Samstagmittag mehr nach Schlendern.
Nach Freundeskreis, nach Jazz-Exoten
und and’ren Freizeitangeboten.

So bleibt er als Karrieremeider
Gelegenheitsbeneider.

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