Zum Muttertag

Ein Mensch, das sei hier klar gesagt,
am Schlimmsten sich als Mutter plagt.
Das Haus, die Kinder, Ehemann,
allein für eines könnte man
gleich listenweise Arbeit nennen,
die meistens nur die Mütter kennen.

Nun hört man diesen Redeschwall
seit Jahren beinah überall,
dass man sich fragt, wenn’s denn so sei:
„Warum die Wiederholerei?“

Die Herrn der Schöpfung, wortgewandt,
sind immer schnellstens bei der Hand
wenn’s theoretisch darum geht,
wie man persönlich dazu steht.

Mit Worten wie „Das beste Stück“
beziehungsweise „Welch ein Glück“
wird oftmals eindrucksvoll verdeckt
was eigentlich dahintersteckt:

Der ganze Mist, getarnt mit Loben,
wird auf die Mutter abgeschoben,
die – während er darüber plappert –
schon wieder mit den Tellern klappert.

So ist ein Tag wie dieser heute
Mit Sicherheit für manche Leute,
auf dass sich das Gewissen lege,
die Krönung ihrer Egopflege.

Mit Küsschen, Rosen, lieben Worten,
mit Handanreichung allerorten
zeigt man, wie sehr man Mutter mag –
denn bald ist ja auch Vatertag.

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Sankt Nikolaus

Sankt Nik’laus ist für uns’re Kleinen
Wie Ältere zumindest meinen
Ein um Dein Wohl bemühter Greis
Der wirklich alles von Dir weiß.

Auf Himmelsschlitten leise schwebend
Und schon seit Jahrmillionen lebend
Besucht er Dich einmal im Jahr
Und redet Tachles – klipp und klar.
Fein säuberlich auf gold’nem Blatt
Steht, was ihm nicht gefallen hat.

Für Andere, verstandesmäßig
Ist er, der eher lahmgesäßig
Die Welt verbessern will mit Milde
Ein reines Fantasiegebilde.

Ich selbst, egal wie sich’s verhält
Laß mir die Illusion nicht rauben
Weil es mir ungleich mehr gefällt
Die erstere Version zu glauben.

Von Ruten, Bart, Gewand und Schellen.
Von Nikolaus ist diese Gabe
Ich bat ihn auch, Dir zu bestellen
Daß ich Dich noch sehr gerne habe.

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