Veranstaltungshinweis

Thema der Woche: „Dichten heißt Verdichten“

Zu Ehren des im Januar verstorbenen Dichters Alois Glumpiger (hier ein Archivbild) lädt der Erste Bernauer Lyrikzirkel am kommenden Freitag zu einer Lesung ins Altenpflegeheim Aicherhof ein.

Der bis zuletzt umstrittene Glumpiger, dessen hochverdichtete Werke bereits mit der goldenen Ehrennadel des EBL ausgezeichnet wurden, verstand es, wie kein zweiter, in einem einzigen Zweizeiler mit dem Titel „Pfürti“ die Dramatik des gesellschaftlichen Wandels unter dem Einfluss der Postmoderne zum Ausdruck zu bringen:

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Die von einigen Kritikern als kümmerliche Stammtisch-Lautfetzen bezeichneten Texte Glumpigers verdichteten sich bis kurz vor seinem Tod zur völligen Verstummung. Als erfolgreich müssen schließlich ebenfalls seine Bemühungen angesehen werden, sämtliche Lebensfunktionen auf seine rechte Großzehe zu verdichten.

Die Lesung findet statt in der Zeit von 20:00 bis 20:04 Uhr. Als Höhepunkt wird Glumpigers letztes Meisterstück mit dem Titel “ . “ in Form einer Schweigesekunde dargeboten. Literarisch Interessierte haben anschließend Gelegenheit, sich bei musikalischer Untermalung auszutauschen. Es spielen die Bierknödelhoasn.

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Letztes Jahr im Hallenbad

Es war doch so eindeutig!

Hätte man ihm die Zusammenhänge, die theoretischen und praktischen Ebenen der Widerlegbarkeit seiner Thesen, die sich durch Ignoranz als Ultima Ratio lediglich offenbarende Hilflosigkeit, kurz: die Absurdität seiner unreflektierten Rezeption, besser und detaillierter vor Augen führen können als ich es tat?

Aber dieser sture Bademeister blieb einfach dabei: „Kaputte Badekappen gehören in die Eimer mit den blauen Beuteln.“

Ein ganz normaler Tod.

Ein letztes Mal krümmte sich der Junge in ihrem Arm. Durch die flatternden Lippen seines halbgeöffneten Mundes ertönte ein hell pfeifendes Geräusch und sie spürte wieder, wie seine Exkremente sich in ihren Schoß ergossen. Dann war es still.

Von draußen drangen die Rufe streitender Kinder in die Hütte. Ihr Rücken schmerzte. Sie hatte lange auf der Kante der Matratze gesessen und schob ihren Sohn nun neben sich. Zwei Stunden lag sie dort und weinte, dann stand sie auf. Der Kanister, der das Trinkwasser enthielt war leer. Sie würde Neues holen müssen.