Tapetenwechsel

Ein Mensch betrachtet es genau
und insbesondere als Frau:
Die Ziele, die vor ein paar Jahren
Karriere, Reisen, Leben waren,
sind unterdessen traumverblichen
dem Kindersegen reich gewichen.

Nun plärrt und drängt es allerortern
Das Leben ist, mit and’ren Worten,
mit Sicherheit kein Zuckerschlecken,
wenn früh um sechs die Kinder wecken,
um spät nach Dauernervenhämmern
geschichtenhörend einzudämmern.

Der Mensch bedenkt, dass neue Kraft
Tapetenwechsel schafft,
macht kurzerhand als Kurzurlaub
sich eine Woche aus dem Staub,
was durchaus auch als angemessen
gilt, um den Ärger zu vergessen.

Der erste Tag ist glückserfüllt.
Indes der zweite schon enthüllt,
dass innerlich sich die Gedanken
ganz zart in Richtung Heimat ranken,
bis dann am sieb’ten schon ein Blinder
sieht, dass der Ruf der Kinder
den Freiheitswillen übertönt.

Der Mensch erkennt ganz ungeschönt
ins Heimische zurückgekehrt
den familiären Lebenswert
auf wundersame Weise.
Zumindest bis zur nächsten Reise.

copyright by harry boldt

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