Zum Muttertag

Ein Mensch, das sei hier klar gesagt,
am Schlimmsten sich als Mutter plagt.
Das Haus, die Kinder, Ehemann,
allein für eines könnte man
gleich listenweise Arbeit nennen,
die meistens nur die Mütter kennen.

Nun hört man diesen Redeschwall
seit Jahren beinah überall,
dass man sich fragt, wenn’s denn so sei:
„Warum die Wiederholerei?“

Die Herrn der Schöpfung, wortgewandt,
sind immer schnellstens bei der Hand
wenn’s theoretisch darum geht,
wie man persönlich dazu steht.

Mit Worten wie „Das beste Stück“
beziehungsweise „Welch ein Glück“
wird oftmals eindrucksvoll verdeckt
was eigentlich dahintersteckt:

Der ganze Mist, getarnt mit Loben,
wird auf die Mutter abgeschoben,
die – während er darüber plappert –
schon wieder mit den Tellern klappert.

So ist ein Tag wie dieser heute
Mit Sicherheit für manche Leute,
auf dass sich das Gewissen lege,
die Krönung ihrer Egopflege.

Mit Küsschen, Rosen, lieben Worten,
mit Handanreichung allerorten
zeigt man, wie sehr man Mutter mag –
denn bald ist ja auch Vatertag.

copyright by harry boldt

One comment

  1. Hallo Herr Bo…
    Ich habe das Gedicht meiner Mutter vorgelegt. Ihr Kommentar bestätigte Ihre Ansichtweise: „Genau so ist es.“
    Ich werde es morgen mal in der Schule vortragen, in der Hoffnung, die anderen Schüler zum darüber Nachdenken anzuregen. Natürlich nicht ohne den Hinweis, dass ich das Gedicht in einem Blog gefunden habe!
    Die anderen Gedichte sind – überwiegend zumindest – auch sehr schön.
    Vielen Dank.

    __________
    Danke für den netten Kommentar Herr K. Ich hoffe, Ihr Vortrag in der Schule war erfolgreich. Gruß, Harry Boldt

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